Blue Ash: letzte Tage und Zusammenfassung

Gepostet Von am Okt 7, 2014


Autor: Daniel Schultheiß
Ort: Ilmenau
Zeit: 9 Uhr

Als erstes muss ich Asche über mein Haupt streuen. Ich bin aufgrund unserer Termine in Blue Ash nach unserem „Business Day“ nicht mehr zum Berichten gekommen, da ich wegen des gefüllten Programms im Prinzip nur noch zum Schlafen im Hotel war. Daher fasse ich die letzten Tage an dieser Stelle zusammen.

Am Donnerstag haben wir uns auf eine Busreise nach Columbus, der Hauptstadt von Ohio begeben. In einem Vorort, dem sogenannten „German Village“ haben wir eine Pause zum Mittagessen eingelegt, bevor es in die Innenstadt weiter ging. Ich muss zugeben, wenn ich zu Besuch in den USA bin, bin ich bei „deutschen“ Speisen meist ziemlich skeptisch. Aber bei Schmidt’s gab es absolut authentisches und leckeres Essen, mit dem die ein oder andere Gaststätte in Deutschland nicht mithalten kann.
Im Parlament von Ohio bekamen wir dann eine Führung von einem ehrenamtlichen Tourguide. Der Schwerpunkt dieser Führung lag neben der Architektur des Gebäudes vor allem auf dem politischen System in Ohio. Wir hatten die Möglichkeiten, viele Fragen zu stellen und so einen Vergleich zu Thüringen zu ziehen. Im Gegensatz zu unseren Bundesländern verfügen die meisten Parlamente in den amerikanischen Bundesstaaten über zwei Kammern (ähnlich Bundestag und Bundesrat oder den zwei Kammern in Großbritannien). Sowohl die Repräsentanten als auch die Senatoren können jedoch nur für maximal acht Jahre gewählt werden. Im Falle einer politischen Karriere durch beide Kammern ist auch so nach 16 Jahren endgültig Schluss. Das soll Korruption eindämmen und dafür sorgen, dass es möglichst wenige „Berufspolitiker“ gibt, sondern die Menschen von allen Berufsschichten vertreten werden. Auch tagt das Parlament von Ohio nur von Oktober bis April, sodass die Abgeordneten während des restlichen Jahres einem normalen Beruf nachgehen können.
Der Rückweg nach Blue Ash führte uns anschließend noch über ein Weingut, auf dem wir zum Abendessen jeder selbst unsere eigenen Steaks braten sollten. Das gestaltete sich jedoch schwierig, weil unser Bratwurstkönig von Ilmenau Rolf Macholdt sich ohne Gegenwehr die Grillzange geschnappt hat und die Essenszubereitung für alle Anwesenden übernahm.

Am Freitag standen dann als erstes die Bildungseinrichtungen in Blue Ash auf der Tagesordnung. Vor den Schülern der Greene-Intermediate-School durfte ich einen Vortrag über Ilmenau und Deutschland halten. Die Schülerinnen und Schüler waren in der anschließenden Diskussion sehr neugierig und hatten viele Fragen. Spannenderweise stellte sich heraus, dass ein großer Teil der Schüler schon in Europa war und viele sogar große Fußballfans sind. So kam die Frage auf, ob Mario Götze aus Ilmenau sei. Das musste ich leider verneinen. Ebenso interessierte die Schüler, ob wir auch iPhones in Deutschland haben (ja!), welche Haustiere wir so haben (Hunde, Katzen und alles mögliche), ob ich selber Haustiere habe (zwei Katzen) und ob diese Katzen denn auch kämpfen (JA!). Die Offenheit und Neugier der Kinder war wirklich sehr süß!
Anschließend besuchten wir eine Außenstelle der Universität von Cincinnati in Blue Ash. Dort wurden wir als erstes mit einer Torte zum Tag der Deutschen Einheit empfangen. Anschließend erzählten einige Professoren – zum Teil auf Deutsch – von ihren persönlichen Verbindungen zu und Eindrücken aus Deutschland. Schlussendlich hatten wir noch die Möglichkeit, uns mit Studierenden zu unterhalten, die die dortigen Deutschkurse besuchten. Neben vielen positiven Eindrücken auf beiden Seiten, konnten wir den Studierenden so auch ein wenig bei ihren Hausaufgaben helfen.
Um den Nachmittag ein wenig aufzulockern stand als letzter Programmpunkt eine Führung durch das Footballstadion von Cincinnati auf der Tagesordnung, bevor wir uns den aktuellen Bau-und Planungsstand des „Summit Park“ in Blue Ash anschauen konnten. Dieser Park entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens, den die Stadt für über 30 Millionen Dollar aufgekauft hat und in den nächsten Jahren zu einem attraktiven Freizeit- und Sportareal ausbaut.

Der Samstag war dann Tag des Abschieds und ermöglichte allen Gästen auch nochmal die ein oder andere Freizeitbeschäftigung vor unserer Abreise. Vormittag bestand die Möglichkeit, ein wenig einkaufen zu gehen. Den Nachmittag verbrachten wir dann bei Essen, Livemusik, Kaffee und typisch amerikanischen Spielen (wie z.B. Football oder Cornhole) im Garten des Bürgermeisters. Am Abend nutzten viele Teilnehmer der Delegation die Möglichkeit, das Footballspiel zwischen der University of Cincinnati („Bearcats“) und Memphis anzuschauen. Leider ging das Spiel zu Ungunsten (14:41) der Gastgeber aus. Dennoch war die Stimmung überschwänglich und wir hatten einen guten Eindruck in die amerikanische Sportkultur.

Am Sonntag nach dem Frühstück stiegen wir dann schon in den Bus zum Flughafen, um den Flieger um 13.30 Uhr in Richtung Philadelphia zu erreichen. Diesmal hat der Umstieg auch problemlos geklappt, sodass wir dann nach trotzdem langer Reise am Montag Morgen in Frankfurt gelandet sind. Nach den Einsammeln des Gepäcks waren wir endgültig gegen 11 Uhr ziemlich übermüdet zurück in Ilmenau. Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ich vermute mal, dass es den meisten Delegationsmitgliedern gestern so wie mir ging. Aufgrund von Zeitverschiebung und mangelnder Schlafmöglichkeit im Flugzeug, legte ich dann am Nachmittag den ein oder anderen unfreiwilligen Kurzzeitschlaf ein.

Zusammenfassend kann ich ein absolut positives Fazit ziehen und sagen, dass die Reise nach Blue Ash eine erfolgreiche und ertragreiche war. Für die Teilnehmer, die noch nie dort waren, bestand die Möglichkeit, neue Freundschaften zu knüpfen, was diese reichlich genutzt haben. Alle anderen hatten die Möglichkeit, die facettenreiche US-amerikanische Kultur wieder ein wenig mehr kennen zu lernen. Wir konnten neue Gemeinsamkeiten finden, man entdeckt jedoch auch immer wieder viele Unterschiede, ob es politische, kulturelle oder soziale sind. Ich glaube, am Ende geht es genau darum: Zu sehen, wie bunt die Welt ist und dass trotz vieler Unterschiede die meisten Menschen dennoch sehr ähnlich sind. Daher freue ich mich schon sehr auf den Besuch unserer Freunde aus Blue Ash im kommenden Jahr. Es gilt wie immer, die Partnerschaft auf noch breitere Füße zu stellen. Das öffentliche Fest am Bahnhof Rennsteig im vergangenen Jahr und die Gründung des deutsch-amerikanischen Freundschaftsvereins, in dem jeder Mitglied werden kann, sind beispielsweise sehr gute Möglichkeiten dazu. Ich hoffe, dass die Partnerschaft zwischen unseren Städten noch lange anhält und viele persönliche Freundschaften hervor bringt.

Hier nun die letzten Fotoeindrücke: